Nachtfotografie

Wenn die Sonne langsam am Horizont verschwindet uns sich der Tag dem Ende zuneigt, dann beginnt die Welt der Nachtfotografie. Diese kann äußerst interessant sein und ist eines meiner Meinung nach eines der schönsten Themen in der Fotografie. Um gute Nachtfotos machen zu können musst du jedoch einiges beachten, das ich die hier jedoch erklären werde.

 

Nachtfotografie: Tipps und Tricks für gelungene Aufnahmen

 

Die Kamera

Das wichtigste bei der Nachtfotografie ist natürlich die Kamera, denn ohne geht gar nichts. Dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle welche Kamera du dafür verwendest. Ob das eine Profi Spiegelreflexkamera, oder eine handelsübliche Digitalkamera ist, ist eigentlich egal. Wichtig ist nur dass du die Kameraeinstellungen wie den ISO, Verschlusszeit, Blende etc. manuell einstellen kannst. Eine Kamera mit Vollformat Sensor hat natürlich die viel besseren Chancen um ein gutes Foto machen zu können, doch es geht auch alles mit anderen Kameras auch.

 

Das richtige Zubehör

Für die Nachtfotografie reicht allein die Kamera nicht aus, denn du benötigst noch einiges an Zubehör, um das optimale Ergebnis zu erzielen. Hier erkläre ich dir kurz was du alles brauchst und welches Zubehör dir die Arbeit enorm erleichtern.

 

Stativ

In der Nachtfotografie kommt es fast immer zu langen Belichtungen, da ist ein gutes Stativ* Pflicht um verwacklungsfreie Fotos erzeugen zu können. Wichtig ist auch dass du dein Stativ noch beschweren kannst um es noch Standfesteren zu machen. Hierfür kannst du einfach einen Stein mithilfe einer Schnur verwenden. Fahre auch die Mittelsäule vom Stativ nicht ganz aus, denn umso höher das Stativ wird, desto instabiler wird es.

 

Fernauslöser

Da schon das betätigen des Auslösers deiner Kamera für ein verwackeltes Foto sorgt, solltest du unbedingt einen Fernauslöser* verwenden. Achte beim Kauf gleich darauf, dass du den Auslöser programmieren kannst, denn oft kommt es sogar zu Stundenlangen Belichtungen. Siehe: Sternspuren fotografieren.

 

Taschenlampe

Das Fotografieren bei Nacht macht das Bedienen der Kamera nicht gerade einfach. Oftmals ist es schwer die richtigen Knöpfe zu finden, um die gewünschten Einstellungen vorzunehmen. Darum ist es nützlich, eine kleine Taschenlampe* immer bei sich zu haben. Noch besser ist jedoch eine Stirnlampe*, da der Fotograf die Hände sonst braucht und eine Taschenlampe somit doch nur stören würde.

 

Die richtigen Einstellungen

ISO

Der ISO Bereich einer Kamera ist je nach Modell unterschiedlich groß, achte hier bitte auf einen guten ISO Wert, da sonst das Bild zu sehr unter der Bildqualität leidet. Ein guter ISO Wert liegt so zwischen 100 und 1600, höher würde ich auf keinen Fall gehen. Der ISO Wert gibt die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors wieder, je höher der Wert umso lichtempfindlicher ist der Sensor.

 

Blende

Anfangs mag es erst recht kompliziert klingen und du weißt nicht welche Blende du am besten verwenden solltest, doch es gibt hierfür ein gutes Sprichwort: „In der Nacht, verwende Blende 8“. Für die Nachtfotografie empfiehlt sich als Standardeinstellung die Blende 7 bis 11. Ein guter Mittelwert ist darum die Einstellung der Blende auf den Wert 8. Damit machst du auf jeden Fall nichts falsch und das Bild ist scharf abgebildet.

 

Verschlusszeit

Bei der Nachtfotografie sind Belichtungen von 30 Sekunden keine Seltenheit, denn aufgrund der Dunkelheit braucht es nun mal etwas an Zeit, bis das Bild richtig belichtet ist. Bis zu 30 Sekunden kann fast jede Kamera automatisch belichten, erst ab 30 Sekunden musst du in den „BULB“ Modus wechseln, was bedeutet dass so lange belichtet wird, solange du den Auslöser drückst. Da das sofort zu Verwicklungen führt, brauchst du wie schon erwähnt einen Fernauslöser um ein gutes Resultat zu bekommen.

Leider gibt es keinen Standardwert für die richtige Belichtung, denn das hängt von vielen Faktoren ab. Wie hell ist das Umgebungslicht, wie hell scheint der Mond, fahren Autos vorbei etc. All diese Punkte können die Verschlusszeit beeinflussen, deshalb musst du erst mal probieren und dir das Ergebnis nachher anschauen. Generell kannst du gleich mal eine Verschlusszeit von 20 Sekunden verwenden.

 

Fokus

Bei der Nachtfotografie fällt es dem Autofokus oft besonders schwer das richtige scharf zustellen, was an der Dunkelheit liegt. Oftmals ist es deshalb ratsam den Fotos manuell einzustellen um auch das gewünschte nachher scharf abgebildet zu haben. Da das manuelle scharfstellen in der Nacht jedoch ist jedoch nicht gerade einfach…

Ich persönlich stelle durch den Sucher scharf, was mir jedoch nur gelingt da meine Sony a6000*über einen elektronischen Sucher* verfügt. Hier sehe ich im Sucher alles was sich verändert, was das fotografieren enorm erleichtert. Sollte deine Kamera über keinen elektronischen Sucher verfügen, so verwende einfach den Live View auf deinem Display.

Verwendest du den Autofokus, so kannst du für ausreichend Kontraste im Bild sorgen, dass sich der Autofokus daran orientieren kann. Leuchte einfach mit einer Taschenlampe oder einen Laserpointer auf ein entferntes Motiv und aktiviere anschließend den Autofokus.

 

Bildstabilisator ausschalten

Deine Kamera verfügt mit Sicherheit über einen Bildstabilisator. Diesen solltest du bei der Nachtfotografie, aber auch generell immer wenn du ein Stativ verwendest ausschalten. Obwohl die Kamera auf dem Stativ absolut ruhig steht, so versucht der Bildstabilisator sehr oft dennoch das Bild auszugleichen, was in den meisten Fällen zu einem unscharfen Ergebnis führt.

 

Spiegelvorauslösung ausschalten

Die Spiegelvorauslösung verhindert, dass sich beim Auslösen des Spiegels kleinste Bewegungen auf den Sensor  übertragen. Diese Bewegungen können das spätere Bild unscharf wirken lassen. Sollte deine Kamera über eine solche Funktion besitzen, so schalte diese am besten gleich aus. Natürlich haben nur Spiegelreflexkamera* eine solche Funktion, denn Systemkameras* und Digitalkameras verfügen über keinen Spiegel. Kommt es jedoch zu Belichtungszeiten die länger als 5 Sekunden sind, so sind dieses Vibrationen durch die längere Belichtungszeit auf dem späteren Bild nicht mehr zu erkennen.

Um die Spiegelvorauslösung zu betätigen musst du in den meisten Fällen 2x auf den Auslöser drücken, um das Bild zu belichten. Beim ersten Betätigen des Auslösers fährt der Spiegel nach oben, warte dann 1-2 Sekunden und drücke ein zweites mal den Auslöser. Jetzt wird das Bild erst aufgenommen.

 

Rauschunterdrückung deaktivieren 

Hierbei unterscheiden sich die Meinungen… Viele behaupten dass man bei der Nachtfotografie die Rauschunterdrückung aktivieren sollte um ein schönes Ergebnis erzielen zu können. Ich bin dieser Meinung jedoch nicht und deaktiviere diese Funktion immer, da die Rauschunterdrückung in vielen Fällen zu heftig arbeitet und das Bild dadurch „matschig“ wirken lässt. Da ich ohnehin immer im RAW Format fotografiere kann ich die Rauschunterdrückung später am PC korrigieren.

Natürlich kannst du die Rauschunterdrückung auch einschalten, beachte allerdings dass die Rauschunterdrückung bei den meisten Modellen so lange benötigt, wie das Bild belichtet wurde. Wird zum Beispiel 1 Minute belichtet, so braucht die Unterdrückung eine weitere Minute. Das kann sich unter anderem lohnen, doch nehmen wir an du erstellst Timelaps aufnahmen und programmierst den Intervall am Fernauslöser, dann kommst dieser damit nicht mehr klar. Beispiel: Du willst alle 5 Sekunden ein Foto machen und dieses 10 Sekunden belichten und brauchst insgesamt 500 Fotos. Du programmierst deinen Fernauslöser und startest die Aufnahme. Jetzt kommt das Problem: Da die Kamera weitere 10 Sekunden für die Verarbeitung braucht, kann der Fernauslöser die nächste Aufnahme nach den gewollten 5 Sekunden nicht mehr starten, da die Kamera noch nicht bereit dazu ist… Du siehst also, nicht immer ist es empfehlenswert diese Funktion zu nutzen. Das war auch der Grund, dass ich mich von meiner Sony a5000getrennt habe, da man bei diesem Modell die Rauschunterdrückung nicht ausschalten konnte.

 

Weitere Tipps für die Nachtfotografie

Guten Standpunkt wählen:

Der Standpunkt gehört mit zu den wichtigsten Grundregeln der Nachtfotografie und sollte daher sorgfältig ausgesucht werden. Fotografierst du beispielsweise auf einer Brücke, so können vorbeifahrende Fahrzeuge schon leichte Vibrierenden verursachen und das Bild wird verwackelt.

Möchtest du beispielsweise Gebäude oder ganze Städte bei Nacht fotografieren, so ist ein hoher Standpunkt gut.

Befindet sich das Motiv in einer zu dunklen Gegend, so sollte ein anderer Standpunkt in der Umgebung gesucht werden, oder mithilfe kleiner Tricks gearbeitet werden. Du kannst während dem belichten das Motiv auch mit einer Taschenlampe anleuchten. Das erfordert jedoch etwas Übung, denn je nachdem wie lange du belichtest, muss das Motiv unterschiedlich lange angeleuchtet werden.

Die Blaue Stunde:

Die Blaue Stunde gehört zu den spannendsten Zeiten in der Fotografie und beschreibt die Zeit zwischen der Dämmerung des Sonnenuntergangs und nächtlicher Dunkelheit. Das selbe gilt auch vor dem Sonnenaufgang.

Die Blaue Stunde zaubert ein tiefblaues Licht in den Himmel welches perfekt mit der Umgebung harmoniert. Zu diesem Zeitpunkt sind die Beleuchtungen von Städten bereits eingeschaltet, jedoch ist der Himmel noch nicht so dunkel und erstrahlt in einem tiefblauen Licht, welches sich auch auf die Umgebung überträgt. Befinden sich Wolken am Himmel, heben diese sich vom Blau ab und erzeugen tolle Effekte.

Um herauszufinden wann die Blaue Stunde genau stattfindet, gibt es im Internet unzählige Blaue Stunde Rechner. Ich verwende jedoch die App „Photo Pills“ da diese hervorragend arbeitet und man alles bis auf die genaue Minute planen kann.

 

Nun liegt es an dir! Schnapp dir deine Kamera, zieh dich warm an und stürzte dich in die Dunkelheit um atemberaubende Fotos zu schießen. Ich hoffe ich konnte dir auch einige Tipps und Tricks für die Nachtfotografie lernen.

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