Architekturfotografie Tipps

Egal ob ein einfaches Haus, ein Industriegelände, eine Villa, ein historisches Schloss, oder ein Wolkenkratzer, unsere Welt ist umgeben von architektonischen Kunstwerken.  Dabei spielt es keine Rolle ob die Gebäude von außen, oder von innen fotografiert werde. Auch Treppen, Türen und kleinste Details der Gebäude fallen in das Gebiet der Architekturfotografie. Obwohl wirklich professionelle Architekturfotografie sehr aufwendig und vor allem teuer ist, kannst du als Einsteiger mit ein paar einfachen Tricks und schon recht gute Ergebnisse erzielen. Dabei gibt es natürlich einiges zu beachten.

 

Architekturfotografie Tipps und Tricks für gelungene Aufnahmen 

 

Architekturfotografie Grundlagen:

Kurze Brennweiten in der Architekturfotografie verwenden

Einer der wichtigsten Grundvoraussetzung für die Architekturfotografie ist ein Weitwinkelobjektiv mit einer kurzen Brennweite (Kleinbildformat: 10-18, Vollbildformat: 16-35). Viele sind jedoch nicht im Besitz von einem Weitwinkelobjektiv, da sie die Kamera zusammen mit einem Kit Objektiv gekauft haben. Das kann in der Praxis jedoch ein Problem werden, denn die meisten Fotobjektive haben eine zu große Brennweite um das komplette Gebäude auf einem Bild abzubilden. Mit diesen Objektiven kannst du dich jedoch erstmals langsam in die Architekturfotografie einarbeiten. Du musst nicht vom ersten Tag an gleich die beste Ausrüstung verfügen, denn wenn du den richtigen Umgang nicht kennst, so hilft dir auch das beste Objektiv nichts.

Wenn du jedoch etwas mehr Ansprüche hast, so kommst du um ein Weitwinkelobjektiv nicht drum herum. Doch es gibt auch günstige Weitwinkelobjektive, die in keiner Hinsicht schlecht sind. Zu empfehlen sind:

Sigma 10-20 mm F3,5

Tamron 10-24mm 3,5-4,5

Canon EF-S 10-18mm 4,5-5,6

Der richtige ISO Wert und die richtige Blende

Der ISO Wert spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Architekturfotografie, denn du willst das Objekt schließlich mit einer möglichst großen Schärfentiefe abbilden. Arbeite hierfür am besten  im Blendenvorwahl-Modus A/Av und verwende die Werte, die das Motiv über einen weiten Bereich scharf Abbilden. In der Regel entspricht das meistens einer Blende von 8 und höher. Unter einer Blende von 8 solltest du nicht gehen, da sonst ein unscharfer Hintergrund entstehen kann, was hierfür unpassend wäre.

Um viele Details und eine hohe Tiefenschärfe im Bild zu erhalten, muss auch der ISO-Wert möglichst niedrig gehalten werden. Ein niedriger ISO-Wert und weit geschlossene Blende führen somit zwar zu einer längeren Belichtungszeit, doch das Endergebnis wird sich sehen lassen. Somit ist die Verwendung eines Stativs Pflicht, damit die Bilder verwacklungsfrei sind. Bei Arbeiten mit längeren Belichtungszeiten und Verwendung eines Stativs, sollte zudem auch der Bildstabilisator deiner Kamera ausgeschaltet werden. Um ein verwacklungsfreies Bild erzeugen zu können, solltest du deshalb auch einen Fernauslöser verwenden, denn schon die kleinste Berührung, oder die kleinsten Schwingungen können sich negativ auf das Endresultat auswirken.

 

Architekturfotografie Tipps:

Stürzende Linien vermeiden

Eines der wichtigsten Kriterien in der Architekturfotografie spielt die richtige Standortwahl.Befindet sich das Motiv nämlich nicht parallel zum Motiv, so tritt der Effekt auf, dass das Gebäude beim Betrachten des Fotos „nach hinten“ kippt, oder es zum Rand hin abfällt. Diesen Effekt nennt man „stürzende Linien“ und wirkt häufig störend. Vor allem bei Ultraweitwinkel und Fisheye-Objektiven kann das sehr schnell passieren. Dieser Effekt kann aber auch für das „gewisse Etwas“ sorgen und das Bild einzigartig machen, doch hierbei ist mit größter Vorsicht zu arbeiten. Bei einem normalen Gebäude sieht dieser Effekt in keiner Weise gut aus und in den meisten Fällen ist das Bild somit vernichtet, jedoch kann es bei anderen Motiven richtig schön aussehen. Nehmen wir als Beispiel das Kolosseum, da dieses Gebäude rund ist kann der Effekt der stürzenden Linien dem Bild das gewisse etwas geben und es somit einzigartig machen. Verlasse dich jedoch nicht zu sehr darauf und probiere vorher etwas rum um zu sehen wie es sich auf das Bild auswirkt.

 

Die richtige Perspektive

Wie schon öfters erwähnt, spielt auch die richtige Perspektive in der Architekturfotografie eine entscheidende Rolle. Nicht immer ist es angebracht die Kamera parallel zum Motiv auszurichten, denn bei manchen Gebäuden und Motiven wirkt sich das langweilig aus. Ungewöhnliche Perspektiven erzeugen nicht nur Spannung, sondern auch Aufmerksamkeit. Scheue dich also nicht dich mal auf den Boden zu legen, in die Knie zu gehen, oder auf einen erhöhten Standpunkt hinauf zu klettern. Je nach Motiv erzeugt das den Effekt, der das Bild einzigartig macht.

 

Tageszeiten beachten

Beachte die Tageszeit! Auch wenn ein Gebäude noch so spektakulär gebaut ist, so kann es bei schlechter Tageszeit nicht wirklich beeindruckend wirken. Ich persönlich fotografiere spektakuläre Gebäude am liebsten in der Nacht. In der Nacht sind nicht so viele Menschen unterwegs wie am Tag, somit ist schon mal ein Problem gelöst. Des Weiteren wirken die Gebäude oder Brücken in der Nacht viel spektakulärer, denn die Farben der Umgebung und die grellen Neonlichter zeichnen das Bild mit einem ganz besonderen Touch. Als Beispiel zeige ich dir zwei meiner Aufnahmen vom Marina Bay Sands Gebäude in Singapur. Dieses Gebäude ist einer der modernsten und atemberaubendsten architektonischen Kunstwerke unserer Zeit, jedoch wirkt es sich zu den verschiedenen Tageszeiten komplett anders aus.

 

Das richtige Licht

Wetter und Lichtverhältnisse spielen in der Fotografie eine elementare Rolle. Um dein Foto wirklich schön aufnehmen zu können, musst die das richtige Licht verwenden. So kann ein Gebäude mit unterschiedlichen Lichtstimmungen sehr viel aufregender und spannender wirken als bei normalen Tageslicht. Bei Tageslicht fehlt ganz einfach das gewisse Etwas, das das Foto einzigartig macht. Das schönste Licht bekommst du 30min vor Sonnen auf und Sonnenuntergang, da sich zu dieser der Himmel schön rötlich färbt und die Stimmung extrem verbessert. Bei Tageslicht hingegen wirkt die Aufnahme fade und wirft zudem noch sehr harte Schatten, die das Bild verunstalten können.

Wenn du in Innenräumen fotografierst, so sollte man ein natürliches, weiches licht verwenden um schöne Aufnahmen aufnehmen zu können. Hartes Licht das harte Schatten und Kontraste wirft, ist nicht wirklich ideal für Aufnahmen in Innenräumen. In den meisten Fällen kannst du das Tageslicht verwenden und sparst dir somit die Verwendung von einem Blitz.

 

Mit Reflexionen spielen

Auch wenn sich Reflexionen oft als störend erweisen, so können sie dennoch das Bild aufpäppeln und einen wunderschönen Effekt erzeugen. Egal ob im Wasser, eine Glasfront oder wo auch sonst immer, mit den richtigen Reflexionen kannst du dem Bild das besondere etwas verleihen. Reflexionen bieten eine spannende Abwechslung und bringen „Pepp“ in jedes Motiv, egal ob Brücken, Skulpturen oder einem Gebäude, das Foto wirkt gleich viel mächtiger und imposanter. Nicht nur in der Architekturfotografie spielen Reflexionen eine große Rolle, sondern auch in der Landschaftsfotografie wirkt das Bild somit viel mächtiger.

 

Architekturfotografie Tipps: Zubehör

Die richtigen Filter verwenden

Wir alle kennen das Problem! Man befindet sich an einem schönen Ort und möchte das Gebäude natürlich auch fotografieren, wären da nicht immer diese riesigen Menschenmassen…Natürlich kannst du auch dein Glück versuchen und einfach warten bis sich kein Mensch mehr vor dem Motiv befindet, doch das kann unter anderem auch Stunden dauern. Es gibt aber einen einfachen Trick, nämlich die Verwendung von einem Graufilter. Wenn du ihn richtig einsetzt, so kannst du somit die Menschen vor dem Motiv auf natürliche Art „wegzaubern“, ohne im Nachhinein lange Photoshop betreiben zu müssen. Doch der Graufilter hat zudem noch einen andren Dienst, er erweist sich nämlich als gutes Gestaltungsmittel in der Fotografie. Durch die längere Belichtung kannst du dem Bild mit z.b. verzerrten Wolken den besonderen Touch verleihen. Mehr über die ganzen anderen Filter erfährst du hier: Filter.

 

Stativ verwenden!

Um ein gutes Resultat zu erhalten und das Bild ohne Verwacklungen schießen zu können, ist ein Stativ eine Pflicht! Vor allem bei Einbruch der Dämmerung, Sonnenaufgang, oder in der Nacht brauchst du ein Stativ. Du kannst somit nicht nur für eine scharfe Aufnahme sorgen, sondern kannst dir den Bildausschnitt auch so auslegen wie du ihn gerne haben möchtest. Investiere lieber ein paar Euro mehr und schaffe dir ein gutes Stativ an, denn mit den Billigdingern hast du noch mehr Probleme als ohne. Wenn du viel auf Reisen bist, so kann ich dir das CULLMANN Nanomax 400T Reisestativ empfehlen. Das Stativ ist klein, leicht und überzeugt mit seiner Qualität. Zudem ist es mit gerade einmal 50€ noch ein richtiges Schnäppchen.

 

 

 

 

Weitere Architekturfotografie Tipps:

 

Auf den Vordergrund achten

Gerade bei kleinen Brennweiten oder der Weitwinkelaufnahmen dominiert der Vordergrund eines Fotos sehr stark. Hier musst du unbedingt darauf achten, dass das Motiv nicht im Bild unter geht. Die Gefahr besteht vor allem wenn du einen Fluss oder eine Straße mit ins Bild aufnehmen willst. Da bei einem Weitwinkelobjektiv der Vordergrund viel größer dargestellt wird, versinkt das Motiv im Hintergrund gerne im Bild und der Betrachter weiß nicht auf Anhieb was du mit dem Foto überhaupt ausdrücken möchtest.

 

Geduld!

Meiner Meinung nach ist das wichtigste Thema in der Fotografie, egal ob in der Landschaft, Nacht, oder Architekturfotografie, die Geduld! Lass dir Zeit für deine Aufnahme. Warte an dem Ort etwas und schaue dir erstmals die Umgebung an. Kommen Wolken? Verziehen sich die Wolken? Kommen Menschen, Autos, Tiere oder was weiß ich was alles? Kontrolliere das stets, denn das wirkt sich auch auf die Bildgestaltung aus. Oft habe ich schon Menschen beobachtet die den Sonnenuntergang fotografiert haben., doch als die Sonne am Horizont verschwand, verschwanden auch die meisten Fotografen, da sie dachten sie haben die Aufnahme schon im Kasten. Nach dem Sonnenuntergang ist es aber noch nicht vorbei, da wird’s erst richtig spannend! Nach ca. 30-40 Minuten (je nachdem wo auf der Welt du dich befindest) fängt der Himmel an in allen verschiedenen Farben zu leuchten und eine malerische Kulisse zu gestalten, die einfach nur traumhaft ist! Generell plane ich für ein Sonnenuntergangsfoto bis zu 2 Stunden ein, da sich mit jeder Minute das Licht und die Stimmung verändert.

Zum Schluß empfehle ich dir noch ein Buch von Adrian Schulz indem der wirklich alles über die Architekturfotografie erfahren wirst. Von der Gestaltung, Aufnahme, Ausrüstung, Einstellungen der Kamera und der richtigen Nachbearbeitung findest du hier alles wichtige ganz einfach erklärt.

 

 

 

Mit diesen Architekturfotografie Tipps gelingt dir sicher ein einzigartiges Foto. Aber wie immer heißt es „Übung macht den Meister“. Es ist noch keiner gelernter vom Himmel gefallen und nur durch ständiges fotografieren, ausprobieren und testen gelingen dir atemberaubende Aufnahmen. Und nun schnapp dir deine Kamera und mache die architektonischen Kunstwerke in deiner Umgebung unsicher.